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Vorgestern waren wir in der Schule von Ben und Mia am „Flursingen“. Die sechs Primarschulklassen haben auf drei Etagen des Schulhauses Weihnachtslieder gesungen und musiziert, während wir Eltern auf den breiten Treppen gestanden sind und den berührenden Darbietungen gelauscht haben.

Gelauscht habe ich auch den Ansprachen der Lehrer zwischen den Stücken. Und ich habe gestaunt. Es war ein grammatikalisches Thema, das mich beschäftigte: Der übermässige – und ungünstige – Gebrauch des Irrealis.

“Ich möchte mich bedanken”

Der abtretende Schulleiter meinte, er „möchte sich bedanken“, bei den Kindern und seinen langjährigen Kolleginnen und Kollegen. Vor dem gemeinsam gesungenen Abschlusslied machte uns eine Dame darauf aufmerksam, dass der Liedertext „auf der Rückseite des Programms zu finden wäre“. Und dass sie „froh wären, wenn die Besucher danach so schnell wie möglich das Schulhaus verlassen würden“. Draussen “gäbe” es dann Kuchen und Glühwein.

“Draussen gäbe es Kuchen” – schade!

Ich wähnte mich in einer irrealen Welt. In dieser Welt bedankt man sich nicht – man möchte sich bedanken (das ist eine schöne Idee – tu es!). Das Programm ist nicht auf der Rückseite – es wäre dort (wie durch ein Wunder hat es seinen Weg dennoch dahin gefunden).

Und die Verantwortlichen sind nicht froh über einen raschen Abzug des Publikums, sondern sie wären es (würden die Eltern es denn schaffen, zügig nach draussen zu gehen – was wohl nicht zu erwarten ist). Den Kuchen gibt es nicht, es gäbe ihn nur: Oh nein, ich wollte doch ein Stück davon haben!

Surrealer Irrealis

“Wäre, würde, hätte, sollte” sind Formen des Irrealis. Der Irrealis wird korrekterweise nur dort angewandt, wo etwas zurzeit nicht möglich ist.

In unserer Welt jedoch verwenden wir diese grammatikalische Form, um höflich zu sein. Wir wollen uns nicht aufdrängen, also verstecken wir unser Begehren hinter einem Irrealis. Wir tun so, als hätten wir das, was wir sagen, gar nicht gesagt – als wäre es nicht echt. Schliesslich heisst irreal „unwirklich“. Hierzulande jedoch ist der Irrealis so real, dass es schon surreal ist.

 

Nachsicht für mich und für die anderen

Ich will es anders machen: Ich BEDANKE mich an dieser Stelle bei dir. Ich spreche dir ein tief empfundenes MERCI dafür aus, dass du dich für meine Inhalte interessierst und ich dich ein Stück auf deinem Weg begleiten darf.

Ich freue mich, wenn wir alle dieses Jahr versöhnlich beenden: Mit Nachsicht für unsere eigenen Unzulänglichkeiten, und mit Nachsicht für jene der anderen.

Namasté

Das gelingt mir nicht immer. Wenn ich mir dessen bewusst werde, dann besinne ich mich auf den Gruss „Namasté“.

Namasté heisst: Ich verneige mich vor Gott in dir. Das erinnert mich an das Göttliche, das in uns allen steckt – das wir nur so oft vergessen und vor lauter Verletzungen aus der Vergangenheit nicht zu sehen imstande sind.

Und dann kommt mir ein Satz aus dem Kinderbuch „Ich bin das Licht“ von Neale Donald Walsch in den Sinn. Er berührt mich immer sehr. Da steht: „Gott hat dir immer nur Engel geschickt.“

Ich wünsche dir segensreiche Weihnachten und ein kraftvolles, mit Wundern erfülltes neues Jahr!