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Manchmal lernen wir in Kochsendungen nicht nur kochen – sondern auch, wie wir mit unserer Sprache unerwünschte Resultate kreieren.

Es gibt eine beliebte Kochsendung im deutschen Privatfernsehen: Darin dokumentiert ein Fernsehteam eine Woche lang, wie sich eine Gruppe von fünf Menschen täglich abwechselnd bekocht. Vom Einkaufen bis hin zum abendlichen Festessen wird jede Hobbyköchin und jeder Hobbykoch einen Tag lang filmisch begleitet. 

Letzten Freitag war Nicole an Reihe. Ihr Ziel: Sie wollte mit einem typisch fränkischen Menu den Sieg davon tragen. 

Fränkisches Menu mit sprachlichen Irritationen

Schon kurz nach Sendungsbeginn konnte ich mich kaum mehr auf die Herstellung der kulinarischen Leckerbissen konzentrieren.

Stattdessen faszinierte mich Nicoles Ausdrucksweise. Sie legte eine sprachliche Eigenart an den Tag, die ich bei Personen deutscher Muttersprache oft wahrnehme.

Wovon spreche ich?

«Ich würde sagen, dass …»

Zum Auftakt führte Nicole das Fernsehteam an den Ort des Geschehens: «Wir gehen in die Küche, würde ich sagen.» Um dann zu verkünden: «Es wäre schön, ich würde gewinnen.»

Als erstes stand das selbstgemachte Brot auf dem Zubereitungsplan: «Ich würde jetzt das Brot in den Ofen schieben. Dann würde ich sagen, wir fangen ganz entspannt mit dem Lebkuchenmus an.»

So nahmen die Vorbereitungen ihren Lauf. Kurz vor dem Eintrudeln der Gäste bekundete Nicole: «Jetzt würde ich noch ganz kurz den Salat vorbereiten wollen.»

 

Konjunktiv-II-Eintopf

Halb sieben – es läutete an der Tür. Nicole lud ihre vier Mitbewerber/innen ins Haus. Zeit, um gemeinsam anzustossen und die Gäste mit ihrem Lebenspartner bekannt zu machen: «Ich würde euch jetzt gerne einen Aperitiv einschenken. Dazu würde ich euch gerne noch jemanden vorstellen.»

Wenig später: «Dann würde ich sagen, wir gehen zu Tisch. Ich würde mich jetzt in die Küche machen. Dann würde ich mit der Vorspeise zurück kommen.»

Sie kam zurück: «So, meine Lieben, es würde losgehen!»

«Ich würde» als Hauptzutat

Du wirst es bemerkt haben:

Nicole bot an diesem Abend nicht nur Einblick in die fränkische Küche. Sie kredenzte auch ein reiches Menu an auserlesenen Konjunktiv-II-Sätzen – mit «würde» als Hauptzutat.

Weshalb irritiert mich das?

Der Konjunktiv II (würde, wäre, hätte, sollte, möchte etc.) wird auch Irrealis oder «Unwirklichkeitsform» genannt.

Dies deshalb, weil wir mit ihm Dinge und Begebenheiten benennen,

  1. die wenig wahrscheinlich erscheinen,
  2. unmöglich oder nicht wirklich sind, oder
  3. an denen wir Zweifel hegen.

Das macht den Konjunktiv II zu einer ungünstig gewählten Form, um von Zielen zu sprechen («Es wäre schön, ich würde gewinnen»).

Grammatikalisch äussern wir einen frommen Wunsch, den wir nie erreichen. Der Rest des Satzes – „wenn… (es wahr wäre)“ – höngt unausgesprochen mit in der Luft.

Wenn es real ist, kommt der Indikativ zum Zug

Benennen wir jedoch Dinge, die real geschehen und an denen es keinen Zweifel gibt, dann ist der Konjunktiv II fehl am Platz. Hier darf der ganz gewöhnliche Indikativ zum Zug kommen:

  • Jetzt bereite ich noch den Salat vor.
  • Ich schenke euch jetzt einen Aperitiv ein.
  • Dazu stelle ich euch gerne noch jemanden vor.
  • Lasst uns zu Tisch gehen!
  • Ich gehe jetzt in die Küche.
  • Danach werde ich mit der Vorspeise zurück kommen.
  • So, meine Lieben, es geht los!

Übrigens: Nicole vermochte ihre Gäste mit ihrem Menu nicht zu überzeugen. Sie beendete die kulinarische Woche auf dem letzten Platz.

Ich wette, dass sie ihrem Ziel mit mehr Indikativ-Sätzen näher gekommen wäre!