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  • Ich sollte heute endlich diesen Bericht fertig schreiben!
  • Ihr solltet doch das Spülbecken putzen, nachdem ihr abgewaschen habt!
  • Du sollst mir besser zuhören!

Kommen dir diese oder ähnliche Aussagen bekannt vor? Was fühlst du, wenn du sie liest?

Ich erlaube mir, an deiner Stelle eine Antwort zu geben: Du fühlst Schuld – und damit einher gehend diesen subtilen, unangenehmen Druck.

Und ja: Dein Körper hat bei diesen Sätzen bereits begonnen, Stresshormone auszuschütten!

 

SOLLEN trägt die Schuld in sich

Das Verb SOLLEN ist gleichsam aus der Schuld geboren: Das Wort stammt vom althochdeutschen Wort sculan ab, was schuldig sein bedeutet.

Und so bringen wir uns tatsächlich in eine Schuld, wenn wir von uns selbst verlangen, etwas zu sollen. «Ich sollte heute noch den Bericht fertig schreiben» bringt zum Ausdruck, dass wir das ungerne tun – und dennoch von uns fordern.

Damit nehmen wir der Tätigkeit die Möglichkeit, freudvoll vonstattenzugehen! Eine freudvolle Handlung ergibt sich häufig aus dem Moment heraus. Sie folgt einem Impuls, keiner aufgedrückten Aufforderung.

Der wesentliche Unterschied zwischen Erwartungen und Wünschen

Gleiches gilt, wenn wir anderen «du sollst» oder «ihr solltet» sagen. Mit solchen Sätzen drängen wir sie in eine Bringschuld. Auch ihnen nehmen wir damit die Möglichkeit, selbstbestimmt zu handeln oder uns – aus eigenem Antrieb – einen Gefallen zu tun. Stattdessen lastet der ganze Druck unserer Erwartungen auf ihnen.

Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Erwartungen, die wir an andere haben, und Wünschen, die wir an sie richten.

Eine Erwartung erzeugt ein schlechtes Gewissen und Druck. Mit einem Wunsch jedoch bringe ich allein mein Bedürfnis zum Ausdruck – und lasse gleichzeitig offen, ob die andere Person mir dieses erfüllt oder nicht.

 

Die Alternativen zu SOLLEN: wünschen oder weglassen

Anstelle von «Du sollst mir besser zuhören» sage ich dann «Ich wünsche mir, dass du mir zuhörst».

Das macht etwas mit der anderen Person. Jetzt hat sie die Möglichkeit, unserer Einladung ohne Zwang zu folgen. Und wird es daher auch eher tun. Und wenn nicht, ist es auch in Ordnung.

Genau so freundlich dürfen wir mit uns selber sein. Warum nicht einmal einen Wunsch an uns selbst richten? «Ich wünsche mir, dass ich heute die Lust verspüre, den Bericht fertig zu schreiben!»

Wenn dir das zu weit hergeholt ist, streichst du «ich sollte» einfach aus deinem Wortschatz und sagst stattdessen: «Ich werde heute den Bericht fertig schreiben».

Worte wirken! Lass deinen Wortschatz ein Schatz sein – und keine Zwangsjacke.